Mittwoch, 15. April 2015

Interessantes zum Thema CRAFT- Bier im Wirtschaftsblatt vom 11.04. 2015

Salzburg: Neuaufstellung als Bier-Hochburg
11.04.2015 | 11:57 | Daniela Müller (Wirtschaftsblatt)
Bier stand zu lange im Schatten des Weines, finden Salzburgs Brauer. Nach Rückgängen beim Ausstoß setzen die Brauereien nun auf neue Inszenierungen und folgen dem Trend zu Spezialbieren.
Der regnerische Sommer des Vorjahres hat mancher Salzburger Brauerei die Zahlen verwässert. Österreichweit ist der Bierausstoß 2014 um 0,6 Prozent auf 8,49 Millionen Hektoliter zurückgegangen, in Salzburg war der Rückgang deutlich stärker, heißt es beim Brauereiverband. Genaue Zahlen geben der Verband und die großen Brauereien Stiegl und Trumer allerdings nicht bekannt. Aus dem Hofbräu Kaltenhausen wird nun gemeldet, dass seit Jahresanfang die Biernachfrage sprunghaft gestiegen ist.

Doch nur auf das Produkt Bier will man in Salzburg schon lange nicht mehr setzen. Hier entsteht mit Bier gerade ein Gegenentwurf zur süd- und ostösterreichischen Weinkultur. Von den 8,49 Millionen Hektolitern, die in Österreich produziert werden, kommen immerhin zwölf Prozent aus Salzburg. Zum Vergleich: Der Ausstoß aus dem Bierland Oberösterreich beträgt mit 16 Prozent nur geringfügig mehr.
Neue Inszenierung
Um die Bierkultur weiter zu stärken, sucht jede Brauerei nun nach der bestmöglichen Inszenierung für ihre Produkte. Das Handwerk des Bierbrauens wird immer öfter zelebriert. Stiegl, Trumer und Hofbräu Kaltenhausen bieten Brauereiführungen, um Bier „erlebbar“ zu machen. In Kaltenhausen ist die sechste Biersommelier-Ausbildung seit Ende 2013 ausgebucht, immer mehr Privatpersonen sind bereit, dafür 1000 € Kursgebühr zu bezahlen. Zudem hat sich die Arge Bierkultur – eine Kooperation der Brauereien Augustiner, Gusswerk, Kaltenhausen, Stiegl, Trumer und Die Weisse – mit dem Tourismus Salzburg zum Ziel gesetzt, alles zum Thema Bier sowie Salzburg als Bierhauptstadt touristisch zu vermarkten.
Aktuell zeichnet sich auch ein weiterer Biertrend in Salzburg ab: Mit Reinhold Bartas Kreativität hat sich die Gusswerk-Brauerei als ein Antreiber der heimischen Craftbeer-Szene etabliert. Experimentell und handwerklich gebraute Biere sollen dabei ein Gegengewicht zur industriellen Konkurrenz schaffen.
Es wagen sich zudem immer mehr Gastwirte an die Bierherstellung: Gab es 1980 nur sieben Gasthausbrauereien in Salzburg, stieg 2013 die Zahl auf 21. Darunter ist Robert Eder, der in Bruck an der Glocknerstraße seit 2007 sein Kohlschnait-Bier braut – aus Interesse, und weil eine Kostenrechnung klar für das eigene Bier spricht. Im ersten Jahr habe er in seinem Gasthof rund 90 Hektoliter Selbstgebrautes verkauft, pro Jahr stieg das Volumen um zehn Prozent. Bedarf wäre auch für größere Mengen da, sagt er. Und die Gäste seien bereit, dafür mehr zu bezahlen.
Sortimentserweiterung
Gut vom Bierverkauf lebt auch Christine Keil. Vor zwei Jahren hat sie den Onlineversand Bottle Shop gegründet. Weil das Geschäft so gut läuft, betreibt sie seit Februar am Salzburger Mirabellplatz ein Lokal. 240 Craftbeer- und Cidersorten sind erhältlich. Keil denkt aber schon an eine Erweiterung auf 400 Sorten. Ihre Kunden beschreibt sie als „Studenten oder weltoffene Menschen, 35 aufwärts“, die im Zeitalter der Nachhaltigkeit auch die Handwerkskunst des Brauens wieder stärker wertschätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben.
Mit einem Umsatz von 68 Millionen € im Jahr 2013 ist Stiegl die größte Brauerei in Salzburg. Das Unternehmen hat sich vor zwei Jahren neu ausgerichtet und den Fokus auf Diversifikation gelegt, das Sortiment wuchs auf 20 Sorten. Seit Kurzem verkauft die Brauerei aber nun sogar Mode, hergestellt in Europa und zum Teil von Halleiner Modeschülern entworfen.
Bei Trumer konzentriert man sich auf die Pilsproduktion. Während die Nachfrage nach Radler zuletzt eher gesunken ist, wurden Leichtbiere immer beliebter, sagt Trumer-Chef Seppi Sigl. In Kaltenhausen wird die Produktion von Weißbieren eingestellt, stattdessen komme nun ein Pale Ale ins Sortiment, sagt Katharina Wielend von Hofbräu Kalten­hausen. Craftbeer, das dort als ­Limited Edition angeboten wird, könne man aber stets mehr verkaufen, als vorhanden sei.


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